Die Insel Robben Island liegt in der "Table Bay" im Westen der Küste Bloubergstrand und 60 Kilometer nördlich des Kap der Guten Hoffnung. Sie ist 547 Hektar groß und eine der beliebtesten Touristenattraktionen Kapstadts. Aufgrund des kalten Benguela-Stroms aus dem Südatlantik herrschen gemäßigte Temperaturen, die am Meeresgrund und der Steilküste eine bunte Kaltwasser-Flora entstehen ließen. Sie und das nahe Smits Riff sind bei Schnorchlern sehr beliebt. Die meisten Niederschläge in Südafrika gibt es im Sommer, am westlichen Kap dagegen auch in den Wintermonaten. Deswegen wurde auf der Insel bereits im Jahre 1865 ein Leuchtturm errichtet.
Robben Island misst 4,5 mal 1,5 km und ist ein natürlicher Lebensraum für Antilopen, Springböcke, 75 Vogelarten, Strausse, Schildkröten, Seehunde und Pinguine. Zudem nistet hier die größte Möwenkolonie der südlichen Welthalbkugel. Aber bekannt wurde die Insel durch das Gefängnis und Nelson Mandela, der hier fast zwei Jahrzehnte als Häftling in einer 2 mal 2,5m großen Einzelzelle inhaftiert war.
Da Kapstadt schon früh dicht besiedelt war, sah man schon früh das eigentliche Potential der vorgelagerten Insel und zwar als ausbruchsicheres Gefängnis. Fluchtversuche waren aufgrund der Entfernung zum Festland und der Strömung praktisch aussichtslos, aber eine gute Versorgung trotzdem noch möglich.
Bereits im 16. Jahrhundert wurde Robben Island - kurz nach der Entdeckung durch die Engländer bzw. Holländer - als Sträflingsinsel benutzt. In den Steinbrüchen mussten die Häftlinge Schiefer-Baumaterial für das "Fort of Good Hope" abbauen. Ursprünglich wurde der Stützpunkt bei Kapstadt von den Holländern im Auftrag der Ostindischen Handelskompanie und zur Versorgung der Schiffe errichtet, nachdem sich England gegen eine Kolonie am Kap entschieden hatte. Der Kaufmann Jan van Riebeeck erreichte am 6. April 1652 die Insel mit 82 Männern und acht Frauen. Sie bauten Obst und Gemüse an und tauschten es gegen das Fleisch von den Eingeborenen ein. Aber schon früher wurden auf Robben Island Aufständische des Stammes der Khoikhoi (Hottentotten) interniert.
Etwa im Jahre 1658 kamen die ersten Malayen an und arbeiteten auf den Plantagen. Später schlossen sie interkulturelle Ehen und bildeten so den Grundstock der "Farbigen". Unter dem Sufi-Imam Shaykh Yusuf (im Aufstand 1694 nach Südafrika deportiert) durfte der Islam am Kap ausgeübt werden. Um 1785 wurde mit Tuan Guru erstmals ein prominenter Moslem auf Robben Island verbannt, konnte aber 10 Jahre später Imam werden.
Zwischen 1795 und 1806 eroberten die Engländder die Kolonie am Kap und schaffte 1834 die Sklaverei ab. Ab 1939 diente Robben Island als Militärbasis und wurde 1961 wieder zur Gefängnisinsel. Südafrika inhaftierte hier zur Zeit der Apartheid hauptsächlich politische Gefangene und Schwerverbrecher. 1991 wurde das Hochsicherheitsgefängnis für politische Gefangene aufgelöst, 1996 auch der Trakt für die gewöhnlichen Kriminellen. Der letzte Häftling verließ Robben Island Ende 1996, zusammen mit dem gesamten Gefängnispersonal. Seit Anfang 1997 ist die Insel für geführte Besichtigungen freigegeben.
Lange Zeit, bis in das 20. Jahrhundert hinein, wurde Robben Island auch als Aussätzigenlager benutzt, vor allem Leprakranken lebten und starben hier in isolierten Dörfern.
Mit dem Wachsen der Anti-Apartheid-Bewegung wurde Robben Island zum berüchtigsten Gefängnis Südafrikas für politische Häftlinge, die dort unter unmenschlichen Haftbedingungen leben mussten. Bei der kräftezehrenden Arbeit im Steinbruch waren sie oft nur unzureichend gekleidet und mussten oft zu Beginn ihrer Haftzeit auf dünnen Strohmatten auf dem kalten Steinfußboden schlafen. Im Jahre 1971 nach Streiks und Protesten schafften es die Gefängnisinsassen, humanere Haftbedingungen durchzusetzen und durften nun sogar in der Haft studieren. Den Hauptanteil daran hatte Nelson Mandela - der ANC-Rebellenführer und spätere Friedens-Politiker, der 18 Jahre lang auf Robben Island inhaftiert war. Er nutzte seine Freizeit im Gefängnis für seine Fortbildung und rief auch seine Mitinsassen dazu auf. Das war auch der Grund dafür, warum Robben Island in den siebziger Jahren auch "Mandela University" genannt wurde. Der erste Teil Mandelas Memoiren "Long Walk to Freedom" (Der lange Weg zur Freiheit) entstand hier, und 1994 nahm Mandela als erster schwarzer Präsident Südafrikas elf seiner ehemaligen Mitgefangenen in seine Regierung auf.
Heute ist Robben Island eine nationale Gedenkstätte, ein vielbesuchtes Museum und seit 1999 auch Weltkulturerbe der UNESCO. Für einen Besuch, der nur im Rahmen geführter Touren möglich ist, benötigt man einschließlich der jeweils halbstündigen Katamaranboot-Überfahrt dreieinhalb Stunden. Die Touren beginnen am Nelson Mandela-Gateway an der Waterfront von Kapstadt. Die Guides dieser Touren sind sowohl ehemalige politische Häftlinge als auch ehemalige Wärter des Gefängnisses. Im Inseldorf leben heutzutage ehemalige Gefangene und Wärter als Nachbarn.